40 Jahrfeier bei der Hedelands Veteranbane in Dänemark

Die Hedelands Veteranbane (die Heideland-Museumsbahn) HVB ist Dänemarks längste schmalspurige Museumsbahn (Spurweite 700 mm) mit zur Zeit 5,3 km Länge. Es gibt Pläne zum weiteren Ausbau, so dass die Bahn in vielleicht 10 Jahren etwa 7 km lang sein könnte.
Die HVB wird durch den 1974 gegründeten Industribaneklubben (den dänischen Industriebahn-Verein) IBK, eine Gruppe von engagierten Feldbahnfreunden, betrieben. 1975 begann der Verein mit seiner Arbeit im Hedeland, einem Erholungsgebiet in einer großen, ehemaligen Kiesgrube, 20 km westlich von Kopenhagen. Der erste, nur 100 m lange, Abschnitt der Bahn wurde offiziell im Sommer 1977 eröffnet. Vor 40 Jahren, genau am 21. Mai 1977, erfolgte die erste Fahrt mit der Diesellokomotive T1, von der Maskinfabrik & Kedelsmede Axel Gottlieb Hillerod mit der Fabrik-Nr. 2 im Jahr 1936 erbaut, und einem Rübenwagen der dem Personentransport diente.

Wie vor 40 Jahren: Diesellokomotive T1, von der Maskinfabrik & Kedelsmede Axel Gottlieb Hillerod. Foto: Udo Przygoda 20.05.2017.

Im Jahr 1980 hatte die Bahn eine Länge von 600 m erreicht, sodass der Fahrbetrieb an den Sommer-Wochenenden aufgenommen werden konnte.
Die Bahn wurde über die Jahre mehrmals erweitert, die letzte Erweiterung wurde 1993 beendet. In den Jahren 1994-96 baute der Verein eine 600 Quadratmeter große Halle, die zukünftig ein Museum für dänische Industriebahnen beherbergen wird. Die Halle hat 6 Gleise (Gesamtlänge überdacht 180 m) und enthält einen großen Teil der historischen Lokomotiven und Fahrzeuge der Vereinssammlung.

Der wichtigste Bahnhof ist „Hedehusgård“ mit 2 Lok- und Werkstattschuppen, Drehscheibe, Bekohlungsanlage, Wasser- und Treibstoffversorgung, Museumshalle, Stationsgebäude und Abstellgleisen. Außerdem gibt es Räume für die aktiven Mitglieder, die die Fahrzeuge und Lokomotiven restaurieren und reparieren, sowie Gleisbau und Fahrbetrieb machen. Jede Arbeit für die Bahn wird durch die aktiven Mitglieder der IBK in deren Freizeit erledigt.
Von „Hedehusgård Station“ verläuft die Bahn durch eine leichte Kurve, eine Rampe hinunter, zum Boden der alten Kiesgruben. Nach ein Paar kleineren Seen erreicht man den Bahnhof „Sølund“ mit Ausweichgleis und dann die Haltestelle „Stenager“. Vom Bahnsteig kann man auf eine dampfbetriebene Gartengroßbahn umsteigen. Deren Züge werden vom Modeldampklubben (der Modelldampf-Verein) auf einer Strecke von ca. 1,2 km Länge betrieben und haben verschiedene Maßstäbe, u.a. 1:10. Der nächste Bahnhof nach „Stenager“ heißt „Brandhøj“. Dort befindet sich der Lagerplatz für Schienen, Schwellen und Kleineisen. Nach dem Bahnhof „Brandhøj“ bewältigt die Bahn eine kleine Steigung und erreicht eine große, Prärie-ähnliche Fläche mit Kühen und Scharfen. Danach überquert die Bahn einen großen Damm über einen der Kanäle, die Hedeland durchziehen, und passiert einen großen Hügel (mit Skipiste im Winter) an dessen Fuß der Bahnhof „Rubjerg“ liegt. Nach der Station „Plantagen“ wird eine öffentliche Straße gekreuzt. Die Personenzüge enden zur Zeit nach 5,3 km Streckenlänge am Bahnhof „Fem Ege“ vor der Brücke über eine Schnellstraße. Dort befinden sich ein Naturspielplatz und Picknick-Hütten.

Der Sonderzug der Ehrengäste im Bahnhof „Rubjerg“

Die Lokomotiven der HVB haben großteils bei dänischen Industrie- und Feldbahnen gearbeitet, und zwar bei vielen verschiedenen Betrieben. Ein großer Teil des Lok- und Wagenbestandes stammt von dänischen Zuckerrübenbahnen, welche auf ihrem Höhepunkt 1941 eine Gesamtlänge von 600 km hatten. Etwa 3200 Wagen und 50 Lokomotiven waren im Einsatz. Andere Quellen waren etwa Ziegeleien und Baufirmen.
Ein großer Teil der Motorlokomotiven wurde in Dänemark in Maschinenfabriken gebaut, die damals erfolgreich waren, trotz des Wettbewerbs mit großen deutschen Lokomotivherstellern, und die den dänischen Markt für kleinere Feldbahnmotorloks fast ganz beherrschten. Die größten dieser Fabriken waren Pedershaab Maskinfabrik und Nagbøl Maskinfabrik mit je etwa 500 produzierten Lokomotiven.
Die Personenwagen der HVB wurden alle in eigener Werkstatt gebaut. Rahmen und Fahrgestelle stammen von Zuckerrübenwagen. Die Wagen sind alle offen; jedoch werden jetzt auch geschlossene Wagen gebaut. HVB hat außerdem noch eine große Vielzahl von anderen typischen Wagen der Feldbahnen: Kipploren, Torfwagen, Zuckerrübenwagen und einige spezielle Wagen von Baufirmen.
Das Vereinsrundschreiben ’Tipvognen’ (’die Kipplore’) erscheint fünfmal im Jahr. Es enthält Nachrichten von HVB, Artikel über bestehende Industriebahnen in Dänemark und benachbarten Länder, sowie historische Artikel. Ein ganzer Jahrgang kostet 50 Dkr. Im Tausch mit unserem FFM-Info informieren wir uns somit schon seit vielen Jahren gegenseitig.
Am 20. Mai 2017 folgte ich als Vertreter des Frankfurter Feldbahnmuseums der Einladung der Kollegen von der Hedelands Veteranbane in Dänemark zu deren Jubiläumsfest.

Das 12. Internationale Feldbahntreffen fand 2002 bei der Hedelands Veteranbane in Dänemark statt. Eine unvergessliche Sonderfahrt war ein Foto-Rübenzug mit zwei Dampflokomotiven, Lok Da7, Dn2t Henschel 18449/1921 von der HVB und Lok B4, Dn2t Orenstein & Koppel 5844/1911 (eine Leihgabe des Dänischen Eisenbahn-Club DJK).
Foto: Udo Przygoda 06.10.2002.

Durch die Internationalen Feldbahntreffen verbindet uns mit den Kollegen der HVB bereits seit vielen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis. Im Jahr 2002 veranstaltete die HVB das 12. Internationale Feldbahntreffen in Dänemark. Dieses Treffen war ausschlaggebend für unsere intensiven und erfolgreichen Verhandlungen zum Erwerb der Benzollokomotive Oberursel 6095/1913 mit einer Spurweite von 600 mm, zunächst als Leihgabe. Da in Dänemark und auch bei der HVB eine Spurweite von 700 mm weit verbreitet ist und die Lok in einem äußerst desolaten Zustand war, willigten die Kollegen einem Leivertrag ein und die Lok konnte im Jahr 2003 nach Frankfurt am Main überführt werden. Parallel zur betriebsfähigen Aufarbeitung der Benzollokomotive folgten Verhandlungen zur gänzlichen Übernahme der Lok. Mit der betriebsfähigen Lok D4 im FFM, DIEMA Typ DFL 60/1.2 mit der Fabrik-Nr. 5145/1991 konnte nach einer Umspurung von 600 auf 700 mm ein Loktausch durchgeführt werden. Somit waren die Voraussetzungen für die Finanzierung der betriebsfähigen Restaurierung geschaffen.
Die DIEMA Typ DFL 60/1.2 erfreut die Mitarbeiter bei der HVB inzwischen als alltagstaugliche zuverlässige Rangier- und Bauzuglokomotive. Neudeutsch eine „Win-Win-Situation“, die beide Seiten zufrieden stellte und die Verantwortlichen beider Organisationen in Ihrer Entscheidung im Nachhinein bestätigte.
Bereits am Vortag vor dem offiziellen Ereignis waren die Gäste aus den Niederlanden und Frankfurt am Main herzlich willkommen und zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Als Ergänzung möchte ich darauf hinweisen, dass die Stoomtrein Katwijk-Leiden in den Niederlanden, ebenfalls mit einer Spurweite von 700 mm, eine besondere Beziehung zur HVB hat. Im Mittelpunkt der Gespräche mit den Kollegen aus Valkenburg stand natürlich der aktuelle spektakuläre Erfolg, nach jahrelangen Bemühungen eine Ausfuhrgenehmigung der beiden Ducroo und Brauns Lokomotiven aus Java nach den Niederlanden erhalten zu haben. Die beiden Ducroo und Brauns, B’Bn4vt-Mallet und Dn2t, haben ebenfalls eine Spurweite von 700 mm.
Am Samstag, den 20. Mai 2017, fand die offizielle Jubiläumsfeier statt. Unterstützt von einer uniformierten Kapelle fanden einige Ansprachen von offiziellen Vertretern bei bestem Wetter unter freiem Himmel statt. Geleitet von einem roten Teppich stiegen die Ehrengäste in die offenen Wagen des Dampfzuges.

 

Gezogen von der Orenstein & Koppel 7459/1921, die erst wenige Monate zuvor in Betrieb genommen wurde. Der Neubaukessel wurde übrigens bei der Firma Lonkwitz in Nauborn bei Wetzlar gefertigt. Ein weiteres Indiz der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Museumsfeldbahner nicht nur in Europa.
Nach der Sonderfahrt für die Ehrengäste wurde eine Fahrzeugparade vorbereitet. Ich genoss die intensiven Rangierfahrten als interessierter Zuschauer

Der Vorsitzende der HVB Claus Nielsen kommentierte am Mikrofon die Fahrzeugparade. Auch die DIEMA Typ DFL 60/1.2 ex. FFM-Lok D4 nahm daran teil und wurde als Lokomotive aus Frankfurt am Main vorgestellt.
Darauf folgte ein Zweizugbetrieb mit verschiedenen Dampf- und Diesellokomotiven.

 

Als zweite Dampflokomotive war die typische Rübenbahnlok in Dänemark, die Dn2t-Henschel 18449/1921 im Einsatz.

Mich interessierte aber auch die Deutz Typ A4L514F Fabrik-Nr. 56320/1956. Eine 55 PS starke Maschine, deren Handhabung mich besonders interessierte, da wir mit der Lok D24 Deutz 56986/1959 eine baugleiche Diesellok besitzen, die allerdings noch nicht betriebsfähig ist. Mit einem offiziellen Erlaubnisschreiben wurde mir die Mitfahrt auf den Lokomotiven ermöglicht.

Zum Rahmenprogramm zählte die Vorführung einer Dampfwalze mit Steinbrecher.

Der letzte Zug des Tages führte über die gesamte Strecke von 5,3 km und endete vor der Brücke über eine Schnellstraße. Der Anschluss und die Gleise auf der Brücke sind bereits vorhanden. Allerdings fehlt auf der anderen Straßenseite die Fortsetzung. Die Trasse ist bereits erkennbar und wurde mit den Ehrengästen bis zum zukünftigen Endpunkt „Vinterraserne“ begangen. Die Kollegen hoffen auf eine Eröffnung zum 50. Jubiläum in 10 Jahren.
Beim Abendessen mit asiatischem Buffet wurden die internationalen Beziehungen vertieft und gegenseitige Besuche verabredet. Die Kollegen der HVB warten auf die offizielle Inbetriebnahme der Oberursel-Benzollokomotive und die Kollegen aus den Niederlanden möchten unsere Orenstein & Koppel-Mallet in Betrieb besuchen und für die eigene Ducroo und Brauns-Mallet aus Indonesien Erkenntnisse aus dem FFM mitnehmen.
Ich danke den Kollegen der Hedelands Veteteranbane in Dänemark für die sehr freundliche Aufnahme.

Viele Grüße, Euer Udo

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